Bewertungsausschuss korrigiert seine Honorarentscheidung: Sprechstunde und Akutbehandlung werden nun wie genehmigungspflichtige Leistungen bezahlt

88,66 Euro für Sprechstunde und Akutbehandlung

Heute teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung die folgende, erfreuliche Nachricht mit:

 

Psychotherapie: Mehr Honorar für neue Leistungen

22.06.2017 - Die im April neu eingeführte Psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung werden besser honoriert. Der Bewertungsausschuss hat am
Mittwoch beschlossen, diese Leistungen so zu vergüten wie die Gebührenordnungspositionen der Richtlinien-Psychotherapie.

KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister äußerte sich zufrieden, dass der GKV-Spitzenverband eingelenkt habe und nun doch der Forderung der KBV nach einer höheren
Vergütung nachgekommen sei. „Dies wird dazu beitragen, dass mit den neuen psychotherapeutischen Leistungen das erreicht wird, was der Gesetzgeber beabsichtigt
hat; nämlich den Versicherten ein kurzfristig verfügbares und niedrigschwelliges Versorgungsangebot in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen.“

88,66 Euro für Sprechstunde und Akutbehandlung

Nach dem Beschluss des Bewertungsausschusses erhalten Vertragsärzte und -psychotherapeuten für die Psychotherapeutische Sprechstunde und für die Akutbehandlung
bei einer Dauer von mindestens 25 Minuten 44,33 Euro (alt: 42,75 Euro). Bei 50 Minuten sind es 88,66 Euro und damit so viel, wie die Krankenkassen für
eine Richtlinien-Psychotherapiestunde bezahlen. Der Beschluss gilt rückwirkend ab 1. April 2017.

Auch höherer Strukturzuschlag

Angehoben wird außerdem der Strukturzuschlag, der auf die Psychotherapeutische Sprechstunde und auf die Akutbehandlung gezahlt wird. Er beträgt nunmehr
7,58 Euro (alt: 7,27 Euro) und wird wie bisher automatisch von der Kassenärztlichen Vereinigung ab einer bestimmten Leistungsmenge zugesetzt.

KBV wird Klage zurückziehen

Ursprünglich waren die neuen Leistungen niedriger bewertet worden. Dagegen hatte die KBV vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg geklagt und dies
unter anderem damit begründet, dass sich der Arbeits- und Organisationsaufwand in der Praxis durch die Einführung der neuen Leistungsangebote erhöht. Deshalb
sei es nicht nachvollziehbar, dass diese schlechter bezahlt würden.

„Wir freuen uns, dass die Krankenkassen nun doch unserer Argumentation gefolgt sind. Die KBV wird ihre Klage dementsprechend zurückziehen“, kündigte der
Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Gassen, an.

PFG auch bei Psychotherapeutischer Sprechstunde

Der Bewertungsausschuss hat ferner festgelegt, dass die Psychotherapeutische Sprechstunde zu den Leistungen der Grundversorgung gezählt wird. Dadurch können
Psychotherapeuten die Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung (PFG) inklusive des Zuschlags nunmehr auch für die Behandlungsfälle erhalten,
bei denen eine Psychotherapeutische Sprechstunde abgerechnet wurde.

Außerdem wurde die Bewertung der PFG (GOP 22216 / 23216) und des Zuschlags (22218 / 23218) leicht angehoben – von 17,27 auf 17,90 Euo beziehungsweise von
4,63 Euro auf 4,84 Euro. Die Regelungen zur PFG gelten ebenfalls rückwirkend ab 1. April 2017. Durch die Anpassungen soll verhindert werden, dass nach
Einführung der neuen Leistungen das PFG-Honorarvolumen für Psychotherapeuten sinkt.

Die PFG, inklusive Zuschlag, wird einmal im Quartal zur Grundpauschale zugesetzt und zwar für jeden Behandlungsfall, bei dem der Arzt oder Psychotherapeut
ausschließlich grundversorgend tätig ist und keine weitergehenden Leistungen durchführt. Zu den Leistungen der Grundversorgung in der Psychotherapie gehören
neben der Psychotherapeutischen Sprechstunde die probatorische Sitzung und psychotherapeutische Gespäche der Fachkapitel.

 

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