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Ringvorlesung - Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder: Migration und Rassismus

„Flucht und Ankommen: psychosoziale Aspekte von Migration und Integration“

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder

Ringvorlesung an der Freien Universität Berlin, unter Mitwirkung des Alfred-Adler-Instituts Berlin und des Landesverbandes der Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie (DGIP)

 

Die Ringvorlesung widmet sich einem Thema, das in den letzten beiden Jahren unsere Gesellschaft beschäftigt hat, wie kaum ein anderes. Was bringt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen, sich auf eine gefährliche Flucht zu begeben? Wie verändert sie die Flucht und die Erfahrungen dabei? Was erleichtert und erschwert Ihnen das Ankommen? Was im Inneren der sie aufnehmenden Menschen löst Angst vor Fremden oder Neugier und Hilfsbereitschaft aus? Wie schützen sich Helfer vor einer sekundären Traumatisierung durch das Schreckliche, was Ihnen Flüchtlinge erzählen? Wir haben Vertreter verschiedener psychoanalytischer Schulen zu einer Diskussion eingeladen, die zugleich die Tradition Alfred Adlers aufnimmt: die Beschäftigung mit wichtigen, gesellschaftlichen Fragen seiner Zeit stand im Zentrum seiner Theorieentwicklung.

 

19.10.2016 Eröffnungsvorlesung Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder

Migration und Rassismus

 

Migration: Wanderung dorthin, wo die Wandernden auf bessere Zustände hoffen, ökonomisch, politisch. Hoffen auf Teilen, Verteilen, Mitteilen des ungleich „Verteilten“. Hoffen auf Teilhabe an den „Früchten dieser Erde“. Hoffen auf Unterstützung derer, die benachteiligt, auf Solidarität, „Brüderlichkeit“ (der Horizont der Demokratie seit 1789) –
Diese Verneinung der Selbstverständlichkeit: „Wir können nicht alle aufnehmen!“ verweist auf: das ebenfalls nicht selbstverständliche der Ungleichverteilung.
Der Besitzer des Mehr hat zugleich ein Zu-Wenig: ein moralisches Defizit, er bricht die Gesetze der Brüderlichkeit, der Menschlichkeit. Dieses moralische Defizit kompensiert der Rassismus: er macht den Teilen Einfordernden zum Untermenschen, zum Minderwertigen, sich selbst zum Herrenmenschen.
Rassismus funktioniert auch bei denen, die das Brandmal der Minderwertigkeit in ihre eigene Regie übernehmen.

Ort: Freie Universität Berlin - Hörsaal 2 - Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin

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