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Änderung der Psychotherapie-Richtlinien zum 1.4.2017

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung teilte am 16.6.16 folgendes mit:

Die ambulante psychotherapeutische Versorgung wird grundlegend reformiert. So werden Sprechstunden eingeführt und Akutbehandlungen ermöglicht. Das Antrags- und Gutachterverfahren wird vereinfacht. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss heute beschlossen.
Die neue Psychotherapie-Richtlinie soll zum 1. April 2017 in Kraft treten. Sie sieht eine umfangreiche Strukturreform der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung vor. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) setzt damit Forderungen aus dem Versorgungsstärkungsgesetz um, den Patienten zeitnah einen niederschwelligen Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung zu bieten und das Angebot flexibler zu gestalten.

Sprechstunden für Erstkontakt

Eine wesentliche Neuerung ist, dass Patienten künftig vor Beginn einer Behandlung in der Regel eine psychotherapeutische Sprechstunde aufsuchen müssen. Der Psychotherapeut klärt dabei ab, ob ein Verdacht auf eine psychische Krankheit vorliegt und der Patient eine Psychotherapie benötigt oder ob ihm mit anderen Unterstützungs- und Beratungsangeboten geholfen werden kann.

Psychotherapeuten können wählen, ob sie Sprechstunden anbieten oder nicht und wie sie diese organisieren – offen oder mit Terminvergabe. Neu ist ferner, dass psychotherapeutische Praxen zur Terminkoordination mindestens 150 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein müssen.

Neu: Akutbehandlung

Mit der neuen Richtlinie wird das Behandlungsangebot erweitert und flexibler gestaltet. Benötigen Patienten im Anschluss an eine Sprechstunde zeitnah eine psychotherapeutische Intervention, ist künftig eine Akutbehandlung möglich. Diese soll zur Besserung akuter psychischer Krisen beitragen. Ein Antrags- und Gutachterverfahren ist dafür nicht erforderlich.

Therapiestunden flexibel einsetzbar

Nach der Sprechstunde oder der Akutbehandlung kann der weitere Weg des Patienten über die Probatorik in die Kurz- oder Langzeittherapie führen. In diesem Bereich wurden sowohl die Sitzungskontingente als auch das Bewilligungsverfahren angepasst. Die Antragspflicht bleibt indes bestehen.

Eine Kurzzeittherapie zum Beispiel ist künftig zunächst mit 12 Stunden möglich, die sich um weitere zwölf Stunden verlängern lassen. Bei der Langzeittherapie wiederum wurde das erste Sitzungskontingent erweitert. Für alle Verfahren entfällt der zweite Bewilligungsschritt und es kann direkt das Höchstkontingent beantragt werden. Darüber hinaus kann ein Teil des Stundenkontingents für eine Rezidivprophylaxe beantragt werden.

Förderung der Gruppentherapie

Zudem wird die Gruppentherapie gestärkt. Sie gilt nun als gleichwertige, in der Indikationsstellung zu berücksichtigende Anwendungsform. Um das Angebot von Gruppentherapien zu erleichtern und Anreize zu schaffen, wird in allen Verfahren die Mindestteilnehmerzahl auf drei Personen abgesenkt.

Kinder und Jugendliche: Soziales Umfeld wird einbezogen

Bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sieht die Richtlinie künftig explizit vor, dass relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld in die Behandlung einbezogen werden können. Dies können neben den Eltern etwa auch Erzieher oder Lehrer sein. Hinsichtlich der Altersgrenzen wurde klargestellt: Jugendliche bis 21. Jahre können eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie erhalten.

Einheitliche Anforderungen für Gutachter

Darüber hinaus werden die Qualifikationsanforderungen an Gutachter vereinfacht und für die Gruppentherapie spezifiziert. Künftig wird eine Bewerbung in allen Verfahren möglich sein – womit auch Gutachter nur im Bereich der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie tätig werden können.

Verhandlung über Vergütung

Der Beschluss des G-BA wird nunmehr dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt. Weitere Details zur Umsetzung der neuen Regelungen legen KBV und GKV-Spitzenverband in der Psychotherapie-Vereinbarung fest. Beide Seiten müssen darüber hinaus noch über die Höhe der Vergütung für neue Leistungen wie Sprechstunden und Akutbehandlungen verhandeln.

Stellungnahme unseres Dachverbandes – der DGPT

In der Stellungnahme vom 22.6.2016 werden die Fakten und die politischen Hintergründe der Beschlussfassung beleuchtet. Sie ist das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses einer dazu gebildeten Ad-hoc-Arbeitsgruppe. Weitere Informationen (Richtlinientext; Tragende Gründe des Beschlusses sowie eine Übersicht zu den Änderungen) finden Sie auch auf der Internetseite der DGPT.

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