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Besser als erwartet: Versorgungsstärkungsgesetz verabschiedet

Das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VSG) ist gestern vom Deutschen Bundestag verabschiedet worden und tritt am 1. August in Kraft. Für den Bereich der Psychotherapie bringt es, entgegen erster Befürchtungen, nun doch einige positive Veränderungen mit sich. Einige bisherige Standards konnten gesichert werden. Das Gesetz war kurz vor seiner Verabschiedung in einigen Punkten entschärft und angepasst worden. Dabei wurden auch etliche Vorschläge der KBV, der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Berufsverbände aufgegriffen. Diese hatten mehrfach gegen das Gesetz interveniert

Hier können nur einige Aspekte kurz benannt werden, genauere Analysen werden die Fachverbände in den nächsten Wochen veröffentlichen, wenn Zeit war, alle Detaills zu studieren.

Einige Neuerungen:

  • Jobsharing: Künftig wird es hier eine andere Obergrenze für die beiden KollegInnen geben, die sich einen VertragspsychotherapeutInnensitz teilen. Bisher wurden die letzten 4 abgerechneten Quartale als Obergrenze für die künftige Arbeit beider festgelegt. Künftig wird es eine Obergrenze zwischen dem Fachgruppendurchschnitt (22 Wochenstunden in Berlin) und der nicht gedeckelten Obergrenze von 36 Wochenstunden geben. Wo dieser Wert genau liegt, wird der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) festlegen. Das könnte insbesondere für Praxen interessant sein, die nicht voll ausgelastet sind, sondern die etwa mit 15 Wochenstunden arbeiten, weil die PraxisinhaberIn viel Supervision macht oder aus Altersgründen die Arbeit reduziert hat. Sie muss sich nun nicht mehr 15 Wochenstunden mit der Jobsharing-KollegIn teilen, sondern irgendeine Zahl zwischen 22 und 36 Wochenstunden.
  • Ambulanzen der Ausbildungsinstitute: Die Finanzierung der Ambulanzen ist, entgegen früheren Befürchtungen, gesichert und bleibt relativ unverändert.
  • Verordnungen: Psychologische PsychotherapeutInnen dürfen künftig auch Krankenhausbehandlungen, Leistungen zur psychotherapeutischen Rehabilitation, Krankentransporte und Soziotherapie verordnen. Das Nähere dazu bestimmt der Gemeinsame Bundesausschuss. Bisher waren uns keine Verordnungen möglich, so dass sich hier eine neue Tür geöffnet hat. Krankschreibungen sind jedoch weiterhin nicht möglich für niedergelassene psychologische PsychotherapeutInnen.
  • MVZ: Zwei PsychotherapeutInnen können künftig ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) begründen. Bisher konnten dies nur Ärzte und nur solche verschiedener Facharztgruppen.
  • Psychotherapie-Richtlinien:
    Das Therapieangebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen soll flexibler gestaltet werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss wird beauftragt, bis zum 30. Juni 2016 entsprechende Regelungen in die Psychotherapie-Richtlinie aufzunehmen. Es geht dabei vor allem um die frühzeitige diagnostische Abklärung, die Akutversorgung und die Rezidivprophylaxe. Auch das Antrags- und Gutachterverfahren soll vereinfacht werden.

Vortrag zum Thema am AAI Berlin

Für DozentInnen und KandidatInnen unseres Institutes, sowie derjenigen der anderen 10 Berliner psychoanalytischen Institute von DGPT und VAKJP hat das AAI Berlin für den 16.09.2015 einen Vortrag von Rechtsanwalt Prof. Martin Stellpflug zum Thema "Versorgungsstärkungsgesetz – Praxisführung und -weitergabe – MVZ" organisiert. Darin werden Sie über alle Detaills der Veränderungen informiert und Ihre Fragen werden direkt beantwortet.

Stellungnahmen und Nachrichten zum Thema:

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