100 Minuten Sprechstunde, 200 Minuten telefonische Erreichbarkeit

Änderungen der Psychotherapie-Richtlinien endgültig verabschiedet

 

Nach dem Einspruch des Bundesministeriums der Gesundheit gegen die im Sommer vorgelegte Neufassung der Psychotherapierichtlinien sind diese nun noch einmal vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) verändert worden und treten zum 1.4.2017 in Kraft.

 

Die wichtigsten Änderungen gegenüber der Erstfassung der Änderungen der Richtlinien sind:

 

1. War im Sommer noch vorgeshen, dass Psychotherapeuten wählen können, ob sie Sprechstunden anbieten oder nicht, ist dies nun zur Pflicht geworden, da das BMG andernfalls den sog. Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen für nicht gewährleistet sah. Psychotherapeuten müssen künftig 100 Minuten Sprechstunde pro Woche anbieten. Sie können wählen, ob dies eine freie Sprechstunde sein soll, zu der Patienten unangemeldet kommen können, oder ob eine telefonische Voranmeldung stattfinden soll. Die Zeiten der Sprechstunde müssen der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet werden. Die Frage ist, dass dadurch die flächendeckende Unterversorgung mit Psychotherapie in irgendeiner Form verbessert oder ihr Vorhandensein lediglich verschleiert wird, indem der Anschein erweckt wird, die Patienten bekämen nun ja zeitnah ein Gespräch beim Psychotherapeuten. Nun fängt das Problem nach der Erstsprechstunde an, denn mehr Behandlungsplätze hat die Bundesregierung leider nicht geschaffen.

2. Psychotherapeuten müssen künftig 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein. Auch hierfür müssen der Kassenärztlichen Vereinigung konkrete Zeiten genannt werden. Diese Regelung haben wir uns letztlich selbst zuzuschreiben, da viele Psychotherapeuten telefonisch schwer oder gar nicht erreichbar waren und auf Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter nicht reagierten. Es ist insofern eine begrüßenswerte Maßnahme, den Berufsstand hier zu konkreten Maßnahmen zu verpflichten.

3. Abgeschafft wurde glücklicherweise der unseelige und unsinnige Dokumentationsbogen, der dem BMG nicht nützlich und datenschutzrechtlich bedenklich erschien.

 

Übergangsfrist bis Ende März 2018: Die Übergangsregelung erlaubt es Patienten noch bis zum 1. April 2018 eine psychotherapeutische Behandlung (Probatorik, Akutsprechstunde, Richtlinien-psychotherapie)
zu beginnen, ohne vorher eine Sprechstunde besucht zu haben.

 

 

Weitere ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier auf den Seiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung!

 

Hier finden Sie die Stellungnahme unseres Dachverbandes, der DGPT zu diesem Thema inklusive weiterer Erläuterungen.

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