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18% der psychotherapeutischen Praxen vom Abbau bedroht

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK) informiert in einer Übersicht über die Auswirkungen des Versorgungsstärkungsgesetzes für Psychotherapeuten. Das Versorgungsstärkungsgesetz wurde am 11.6.2015 vom Bundestag verabschiedet und tritt am 1.8.2015 in Kraft. Es enthält eine Reihe positiver Veränderungen für Psychotherapeuten, die wir hier zusammengestellt haben.

Daneben bringt es aber auch einige Gefahren mit sich, über die sich alle im Klaren sein sollten, die perspektivisch ihre Praxen abgeben wollen, aber auch für diejenigen, die ihre Praxen nicht voll auslasten.

Gefahren für Praxisabgaben

In sogenannten überversorgten Bezirken gilt künftig eine Soll-Regelung: Wird dort eine Praxis zur Weitergabe angemeldet, MUSS sie vom Zulassungsausschuss geschlossen werden, wenn der Versorgungsgrad über 140% liegt. Liegt er über 110% und unter 140% KANN sie geschlossen werden. Eine Weitergabe ist dann nicht mehr möglich, d.h. Sie erhalten auch kein Entgeld für die Weitergabe. Die BPTK schreibt: "Deutschlandweit liegen rund 4.290 psychotherapeutische Niederlassungen (18 Prozent) über einem Versorgungsgrad von 140 Prozent und sind damit vom Abbau bedroht." Besonders bedauerlich daran ist, dass die Bemessung des Versorgungsgrades im Moment auf Zahlen beruht, die nichts mit der Häufigkeit psychischer Erkrankungen zu tun haben und nichts mit der Auslastung der Praxen. So kommt es, dass in Bezirken, wie Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, der wie viele andere Berliner Bezirke als überversorgt gilt, trotzdem bei den meisten Psychotherapeuten lange Wartelisten von mehreren Monaten oder Jahren bestehen.

Aber: Die Zahlen besitzen Gültigkeit.
Wenn jemand, der seine Praxis perspektivisch abgeben möchte, nichts unternimmt, setzt er sich der Gefahr aus, dass der Praxissitz nicht weiter gegeben werden kann. Sie können eine Schließung verhindern, wenn Sie einen Kollegen anstellen, ein Jobsharing eingehen, sich einer Überregionalen Berufsausübungsgemeinschaft anschließen oder den Praxissitz über das sog. Verzichtsmodell einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) überlassen. Näheres dazu erfahren Sie in einem Vortrag, auf den wir weiter unten hinweisen.

Nicht voll ausgelastete Praxen

Künftig können auch Praxen geschlossen werden, deren Auslastung nicht hoch genug ist, d.h. unter 20 Wochenstunden liegt (bei einem vollen Praxissitz). Das ist etwa dann möglich, wenn der Praxisinhaber viele Supervisionen und Lehrtherapien durchführt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind angehalten, in Zukunft den Auslastungsgrad von Praxen anhand der Quartalsabrechnungen zu prüfen. Bisher wurde die Auslastung nur geprüft, wenn Sie einen Antrag an den Zulassungsausschuss gestellt haben, etwa auf Umzug, Jobsharing oder Praxisweitergabe. Deshalb empfehlen wir dringend, der KV Urlaubszeiten oder Krankheitszeiten zu melden, damit diese bei einer Berechnung Ihre Zahlen nicht nach unten ziehen und Sie im Durchschnitt unter 20 Stunden rutschen. Auch hierzu wird Sie der unten genannte Vortrag über Detaills informieren und Ihre Fragen beantworten.

Vortrag zum Thema am AAI Berlin

Für DozentInnen und KandidatInnen unseres Institutes, sowie derjenigen der anderen 10 Berliner psychoanalytischen Institute von DGPT und VAKJP hat das AAI Berlin für den 16.09.2015 einen Vortrag von Rechtsanwalt Prof. Martin Stellpflug zum Thema "Versorgungsstärkungsgesetz – Praxisführung und -weitergabe – MVZ" organisiert. Darin werden Sie über alle Detaills der Veränderungen informiert und Ihre Fragen werden direkt beantwortet.

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