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Jobsharing: Neue Obergrenze festgelegt für Praxen mit geringer Auslastung

Für das Jobsharing wurde im Frühsommer eine wichtige Entscheidung erwartet, die nun vom Gemeinsamen Bundesausschuss getroffen wurde. Es geht hierbei vor allem um Praxen mit geringer Auslastung, etwa von 10 oder 15 Wochenstunden, die sich der Inhaber bisher nicht mit einem Kollegen im Jobsharing teilen konnte. Für alle Stundenzahlen bzw. Gesamtpunktwerte, die unter dem Fachgruppendurchschnitt liegen (siehe unten), gilt nun eine neue Obergrenze, nämlich der Fachgruppendurchschnitt + 25%. Beispiele, wie viele Wochenstunden das bedeuten könnte, finden Sie weiter unten. Dadurch wird nun auch für Praxen, die nicht gut ausgelastet sind, ein Jobsharing gut möglich.

Zunächst aber ein Auszug aus der Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vom 16.06.2016:
„Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Regelungen zum Jobsharing angepasst. Jobsharer mit unterdurchschnittlichem Praxisumfang können ihren Umsatz künftig stärker steigern als bisher.

Vertragsärzte, die sich in einem überversorgten Planungsbereich einen Arztsitz teilen (Jobsharing), dürfen den Leistungsumfang ihrer Praxis bisher nur um maximal drei Prozent der bisherigen Leistungen erhöhen.

Diese Begrenzung soll es nach dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) künftig nicht mehr für Praxen geben, deren Praxisumfang unterdurchschnittlich ist. Stattdessen können Jobsharing-Praxen unterhalb des Fachgruppendurchschnitts ihren Umsatz künftig bis zum Fachgruppendurchschnitt steigern – also bis zur Höhe des durchschnittlichen Umsatzes, den ihre jeweilige Fachgruppe im letzten Jahr erreicht hat.

Für psychotherapeutische Praxen mit unterdurchschnittlichem Praxisumfang ist im Gesetz eine Ausnahmeregelung hinsichtlich der Steigerungsmöglichkeiten vorgesehen. Hier darf die Steigerung nicht auf den Durchschnitt der Fachgruppe begrenzt werden.

Der G-BA hat diese Vorgabe durch eine Konkretisierung in der Bedarfsplanungs-Richtlinie umgesetzt. Demnach dürfen psychotherapeutische Praxen mit unterdurchschnittlichem Praxisumfang ihren Umsatz durch Jobsharing auf den Fachgruppendurchschnitt zuzüglich 25 Prozent ausweiten.

Die Änderungen der Bedarfsplanungs-Richtlinie stehen unter dem Vorbehalt der Prüfung und Nichtbeanstandung durch das Bundesgesundheitsministerium. Dies kann bis zu zwei Monate in Anspruch nehmen. Die neuen Regelungen treten erst nach ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. “

Wie berechnet sich das im Einzelnen?

In jedem Planungsbezirk gibt es einen anderen Fachgruppendurchschnitt. In Berlin ist der Fachgruppendurchschnitt 2015 bei folgenden Gesamtpunktzahlen gewesen:

  1. Quartal: 201.000
  2. Quartal: 199.000
  3. Quartal: 190.000
  4. Quartal: 203.000

Diesen Gesamtpunktzahlen werden nun bei gering ausgelasteten Praxen 25% aufgeschlagen. Die Umrechnung des sich daraus ergebenden Wertes in Wochenstunden hängt von mehreren Faktoren ab, etwa wie viel Urlaub ein Vertragspsychotherapeut macht und wie viele probatorische Sitzungen, die weniger Punkte haben, im Verhältnis zu probatorischen Sitzungen abgerechnet werden. Nimmt man etwa 13 Wochen im Quartal, wenn jemand gar keinen Urlaub macht und geht von 0% probatorischen und 100% genehmigungspflichtigen Leistungen aus, ergäben sich nur 23 Wochenstunden. Geht man hingegen von 3 Wochen Urlaub im Quartal aus, verteilt sich die Gesamtpunktzahl auf 10 Wochen. Nimmt man dann 20% probatorische Sitzungen und 80% bewilligungspflichtige Therapiesitzungen, ergäben sich 31 Wochenstunden, die der Praxisinhaber und der Jobsharer sich teilen könnten.

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