Materialien zur gestrigen Ringvorlesung zu sicheren Orten für traumatisierte Asylsuchende

Ringvorlesung von Dr. Boris Friele

Gestern, am 11.01.2017 hörten wir in unserer Ringvorlesung aus der Reihe

„Flucht und Ankommen: psychosoziale Aspekte von Migration und Integration“

 Herrn Dr. Boris Friele zum Thema "Können Psycholog*innen "sichere Orte" schaffen?
Herausforderungen für die psychosoziale Unterstützung von traumatisch belasteten Asylsuchenden".

 

Dr. Friele war früher im Zentrum für Folteropfer tätig, das jetzt im Zentrum Überleben aufgegangen ist. Deshalb blickt er auf langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen zurück, an denen er uns in einer sehr lebendigen, anschaulichen und berührenden Vorlesung Anteil nehmen ließ. Nach einer kurzen Einführung in die Diagnosekategorie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) erläuterte er, wie zunächst äußere Sicherheit für die Flüchtlinge hergestellt werden muss und welche Verunsicherungen durch verschiedene Aspekte des Asylverfahrens und der Unterbringung von Flüchtlingen entstehen können. Dabei sind gerade die "posttraumatischen" Bedingungen, die Verhältnisse, auf die ein Mensch nach seiner Traumatisierung trifft, ganz entscheidend dafür, ob und wie stark eine PTSD ausgeprägt wird. Neben äußerer Sicherheit geht es auch um die Herstellung von inneren sicheren Orten. Dieses Konzept wurde von Luise Reddemann im Rahmen ihrer Psychodynamisch-imaginativen Traumatherapie (PITT) eingeführt.

 

Da uns Herr Dr. Friele einige anonymisierte Beispielfälle vorstellte, können wir diesmal keinen Mitschnitt der Vorlesung in unserem Youtubekanal veröffentlichen. Dr. Friele gestattete uns jedoch, seine Präsentation vom gestrigen Abend einzustellen, so dass diejenigen sie noch einmal anschauen können, die gestern Abend da waren und etwas nicht so schnell mit schreiben konnten, aber auch die, die gestern wegen des Schneegestöbers leider nicht kommen konnten.

 

Für alle diejenigen, die Ihre Kenntnisse in der Psychodynamisch-imaginativen Traumatherapie (PITT) nach Luise Reddemann vertiefen möchten, sei hier auf einen Weiterbildungskurs "Psychodynamische Traumatherapie" hingewiesen, den wir am Alfred-Adler-Institut Berlin von September 2017 bis September 2018 an 4 Wochenenden anbieten. Neben einigen Techniken der TFP nach Kernberg werden in diesem Kurs vor allem Techniken der PITT vermittelt.

 

Unsere nächste Ringvorlesung findet am 25.01.2017 statt: Dr. Uwe Langendorf spricht zum Thema "Interkulturelle Kompetenz in der psychoanalytischen Therapie mit Migranten"

Interkulturelle Kompetenz meint die Fähigkeit und Bereitschaft, sich auf unbekannt-fremde Kulturen einzulassen. Dafür müssen theoretische Konzepte und Techniken der analytischen Therapie überprüft, ggf. abgewandelt werden. Voraussetzung ist das Erkennen und Durcharbeiten eigener (Gegenübertragungs-) Widerstände. Stichworte „innerer Rassismus“ (Davids: Forum der Psychoanalyse 1/2006) Xenophobie und Exotismus (Haas: Psyche 2/2006)) Wir begegnen Migranten immer in einem interkulturellen Übergangsraum („in between“ Özdaglar), gespalten zwischen einem früh angelegten Ursprungs-Selbst und einem aufgepfropften Adaptationsselbst. („Falsches Selbst Winnicott). Zu vermeiden ist, kulturell geprägte Strukturen zu pathologisieren.

Nähere Informationen finden Sie hier!

 

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