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Reform der Psychotherapeutenausbildung - Referentenentwurf liegt vor

Stellungnahmen von DGPT und KBV

Folgende Mitteilung der DGPT

zum Referentenentwurf zur Reform der Psychotherapieausbildung, die Stellungnahme der DGPT hierzu, sowie die Stellungnahme der Kassenärztlichen Bundesvereinigung möchten wir hier veröffentlichen:

 

"liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

am 3. Januar des neuen Jahres hat uns der Referentenentwurf des Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetzes (PsychThAusbRefG) erreicht. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wird den Referentenentwurf am 4. Februar mit den Verbänden sowie Ärzte- und Psychotherapeutenkammern diskutieren und demnächst wohl einen Kabinettsentwurf erstellen.

 

Der Geschäftsführende Vorstand der DGPT hat im Zuge dieses Prozesses eine detaillierte Stellungnahme zu diesem Referentenentwurf ausgearbeitet, die wir Ihnen hier mit einstellen.

 

Der Referentenentwurf berührt die Interessen unseres Verbandes und die Interessen unserer Ausbildungsinstitute ganz erheblich: Er verlagert die Ausbildungshoheit von den staatlich anerkannten Ausbildungsstätten auf die Hochschulen. Zukünftig sollen nur Universitäten und gleichgestellte Hochschulen entsprechend akkreditierte Bachelor- und Masterstudiengänge anbieten. Ihnen ist bekannt, dass die Psychologischen Fachbereiche, auf die die Studiengänge ganz erheblich zugeschnitten sind, von der Verhaltenstherapie dominiert werden, und dass die psychoanalytisch begründeten Verfahren in diesen Fachbereichen fast überhaupt nicht mehr mit Fachkunde vertreten sind. Wir haben in den letzten Monaten auf verschiedenen Wegen (viele persönliche Gespräche, Anschreiben an das BMG, an die Landesgesundheitsministerien und an die Psychotherapeutenkammern) intensiv darauf hingewiesen, dass eine Ausbildungsreform eine Rückkehr psychodynamischer Lehrinhalte an die Hochschulen in fachkundiger Lehre sicherstellen muss. Denn mit der Ausbildungshoheit der Hochschulen geht auch eine Verantwortung einher, den Studierenden die Breite der in der Versorgung vertretenen Psychotherapieverfahren in konkreter Anschauung zugänglich zu machen. Dies ist im vorliegenden Referentenentwurf und seinen beiden Anlagen (zu den Studieninhalten und zur Approbationsprüfung) aber nicht realisiert worden und wird von uns deshalb grundsätzlich beanstandet. Zwar wird in der Präambel und bei den übergeordneten Ausbildungszielen, sowie im Begründungsteil des Referentenentwurfs, die Bedeutung der Psychotherapieverfahren für die Patientenversorgung hervorgehoben, im Rohentwurf der Approbationsordnung findet sich dies aber in keiner Weise umgesetzt. Wenn das BMG hier nicht deutlich nachbessert, ist davon auszugehen, dass sich der bestehende Mißstand im heutigen Psychologiestudium in das künftige Approbationsstudium hinein fortsetzt. Kurzgefasst: Der vorliegende Referentenentwurf wird in dieser Form nicht für eine Rückkehr der Psychoanalyse an die Universitäten sorgen. Zwar lässt er die Möglichkeit offen, die für den Erwerb der Approbation notwendigen Studieninhalten (60 % des Gesamtstudiums) auch in anderen Fachbereichen, z.B. in der Medizinischen Fakultät anzubieten, erschwert dies aber zugleich vor allem durch die Anlehnung des Bachelor-Studienteils an den bisherigen Bachelor Studiengang der Psychologie.

 

Aus unseren Ausbildungsinstituten werden mit dieser Reform zukünftig Weiterbildungsinstitute, soweit ihre Anerkennung als Weiterbildungsstätte durch die zuständige Psychotherapeutenkammer realisiert wird. Bei dem Zuschnitt der Weiterbildungsgebiete droht durch Vorgaben des Referentenentwurfs eine Unterteilung lediglich in zwei Altersgebiete (Erwachsene, Kinder und Jugendliche). Wir haben diese Vorabfestlegung in § 95 c SGB V im Referentenentwurf heftig kritisiert, da die Ausklammerung der Psychotherapieverfahren aus der Gebietsbezeichnung dem Beschluss zur Ausbildungsreform des 25. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) vollkommen widerspricht. Dieser Beschluss sieht nämlich eine Vertiefung in einem Psychotherapieverfahren mit einem Altersschwerpunkt vor. Positiv zu bewerten ist die Regelung, dass die bisherigen Ausbildungsstätten ein Besitzstandsrecht erhalten, ihre Ambulanzen als Weiterbildungsambulanzen fortführen zu können. Neue Ambulanzen von Weiterbildungsstätten sollen darüber hinaus zukünftig nur noch bedarfsabhängig zugelassen werden, was absehbar zur Folge hat, dass die Einrichtung neuer Weiterbildungsstätten erheblichen Restriktionen unterliegen wird. Positiv zu bewerten ist eine Übergangsfrist von 12 Jahren (wir fordern 15 Jahre), in der die postgraduale Ausbildung an den Instituten weitergeführt werden kann. Was der Gesetzgeber im Referentenentwurf allerdings nicht regelt, das ist eine angemessene Finanzierung der Weiterbildung. Stattdessen bürdet er es den künftigen Weiterbildungsinstituten auf, diese mit den Landesverbänden der Krankenkassen selbst zu verhandeln. Da die Krankenkassen die Finanzierung der Weiterbildung nicht zu ihren Aufgaben zählen, stehen die Institute hier in einer schwierigen Verhandlungsposition. Allein aus den Leistungsvergütungen in den Weiterbildungsambulanzen wird sich die ambulante Weiterbildung in den Instituten nicht finanzieren lassen. Letztlich ginge dies dann zu Lasten der Weiterbildungsteilnehmer. Dies wird sicherlich nicht nur von der DGPT beanstandet werden, da dies das vorrangig für die Notwendigkeit einer Reform ins Feld geführte Ziel, die Ausbildungsteilnehmer aus prekären Verhältnissen zu befreien, weitgehend verfehlen würde.

 

Positiv bewerten wir den Erhalt des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP), dem zukünftig eine noch gewichtigere Rolle zukommen wird, da der Gesetzgeber die erneute Prüfung der bereits wissenschaftlich anerkannten Verfahren durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) abschaffen will. Damit wird das Votum des Wissenschaftlichen Beirats zukünftig bereits darüber mitbestimmen, ob ein Behandlungsverfahren für gesetzlich Krankenversicherte zugänglich wird. Problematisch erscheint uns in diesem Zusammenhang, dass für die wissenschaftliche Anerkennung eines Verfahrens nicht grundsätzlich ein Votum des WBP notwendig ist, sondern nur „im Zweifel“.

 

Ein schwieriger Diskussionspunkt stellt die neue Berufsbezeichnung dar: Der Absolvent/die Absolventin soll gleichzeitig mit Abschluss des Studiums eine Approbationsprüfung durchlaufen, und sich bei Bestehen „Psychotherapeut“ bzw. „Psychotherapeutin“ nennen können, während die Ärzte und Ärztinnen erst nach einer Weiterbildung sich „ärztlicher Psychotherapeut“ bzw. „ärztliche Psychotherapeutin“ nennen dürften. Wie Sie der Stellungnahme entnehmen können, fordern wir die Berufsbezeichnung Psychotherapeut/Psychotherapeutin sowohl für approbierte Absolventen des Studiums als auch für psychotherapeutisch weitergebildete Ärzte und Ärztinnen uneingeschränkt zuzulassen.

 

Bitte schauen Sie sich unsere Stellungnahme im Einzelnen an, da wir noch auf einige weitere berufs- und sozialrechtliche Regelungen und detailliert auch auf die Eckpunkte (Studieninhalte, Prüfungen) der noch zu erstellenden Approbationsordnung eingegangen sind. Bitte geben Sie die Stellungnahme auch an politisch Verantwortliche weiter, mit denen Sie in Kontakt stehen. Wir benötigen viele Fürsprecher, um unsere Interessen in diesem Gesetzgebungsprozeß wahren zu können.

 

Den Referentenentwurf des BMG können Sie  hier abrufen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Moeslein-Teising Vorsitzende                  

 


 
Hier finden Sie die Stellungnahme der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

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