Unpolitische Wissenschaft? Dritte und erweiterte Auflage erschienen

eines wichtigen Buches von Dr. Andreas Peglau

Zu Wilhelm Reichs 120. Geburtstag am 24. März 2017 und 4 Jahre nach seiner Erstauflage erscheint Unpolitische Wissenschaft? nun in dritter und erweiterter Auflage. Der Autor des Buches ist Dr. Andreas Peglau, ein Psychoanalytiker (DGIP). In seinem Vorwort zur dritten Auflage schreibt  er:

 

"Neben Erich Fromm hat er [ Wilhelm Reich ] den sozialkritischen Gehalt der Freud’schen Theorie am konsequentesten und ertragreichsten weiterentwickelt, mit der Originalfassung seiner Massenpsychologie des Faschismus 1933 eines der bedeutsamsten psychoanalytischen Werke verfasst, das je erschienen ist. Heute, da von einem europäischen »Rechtsruck« gesprochen werden muss, sich in Deutschland per AfD und PEGIDA eine »enthemmte Mitte« (Decker et al. 2016) immer lauter artikuliert, nimmt die Brisanz dieser Schrift wieder zu. Reich mithilfe meines Buches ein Stück seiner verdienten Popularität zurückzugeben, sollte daher, so hoffte ich, auch dazu beitragen, dass sich die Psychoanalyse endlich wieder ihrer gesellschaftlichen Verantwortung besinnt und ihr vorgeblich »unpolitisches« Image aufgibt: eine dringende Forderung in einer Welt, in der sich unverstandene psychosoziale Konflikte zwischen Menschengruppen und Völkern häufen.

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Viele Einsichten Wilhelm Reichs sind jedoch über den Rahmen der Psychoanalyse hinaus bedeutsam.[2] Wer die wachsende Ausländerfeindlichkeit in Deutschland und die zunehmende Destruktivität in den internationalen Beziehungen begreifen will, findet bei ihm Erklärungen, die weit über das hinausgehen, was üblicherweise in der Tiefenpsychologie oder andernorts dazu angeboten wird.[3] Wer nach sinnvollen Alternativen, nach einem realitätsnahen Menschen- und Weltbild als Basis für ein friedliches Miteinander sucht, wird ebenfalls fündig. Insbesondere jene Sätze, die Reich im Nachwort zur zweiten Auflage seiner Massenpsychologie formulierte, halte ich für einen Schlüssel nachhaltiger psychosozialer Umwälzungen:

»Versucht man die Struktur der Menschen allein zu ändern, so widerstrebt die Gesellschaft. Versucht man die Gesellschaft allein zu ändern, so widerstreben die Menschen. Das zeigt, dass keines für sich allein verändert werden kann« (Reich 1934b, S. 283).

Aber auch wer wissen will, welche Erfahrungen ein anderer bei dem Versuch gemacht hat, gegen den Druck entfremdender Normen, repressiver Institutionen und autoritärer Sozialstrukturen eigene Wege zu gehen, sich nicht zu verlieren in einer Welt, die es schwer macht, authentisch zu sein, kann von der Auseinandersetzung mit Wilhelm Reich profitieren."

 

Wir wünschen viel Freude und viele Anregungen beim Lesen des Vorwortes und noch mehr beim Lesen des Buches, zu dem wir Sie gern animieren würden!

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